Ehre, wem Ehre gebührt

von Bernd Sautter -

Alle glücklich an diesem trüben Novembernachmittag. Am Rande des Spielfelds fand die Siegerehrung für den Ehrenpropheten statt. Super Sven Grewis! Obendrein: ein ziemlich unverdienter Heimsieg des SC Geislingen. Was ein Glück!

Habe die Ehre! Sven Grewis ist unser Ehrenprophet der Saison 16/17. Ihm zu Ehren habe ich gerne die Reise nach Geislingen angetreten und aufs Neue entdeckt: Gehobenen Amateurfußball zu genießen zählt zum Besten, was man an einem trüben Novembersonntag unternehmen kann.

Was hat er nicht schon alles gemacht, dieser Sven Grewis: In jungen Jahren war er als faninterner Ordner mit dem SSV Ulm unterwegs - zu den Zeiten, als Ulm vom Rangnick-Wunder profitieren konnte und seine Selbstvernichtungsmaschine noch nicht entdeckt hatte. Einige Jahre später verschlug es den Ehren-Propheten zum Basketball. In dieser Disziplin war der Ulmer Höhenflug von längerer Dauer. Sven Grevis begleitet ihn als hauptberuflicher Eventmanager. Diesen Titel tragen immer all diejenigen, die als "Mädchen für alles" herhalten müssen. Viel Spaß hat's gemacht, sagt Sven Grevis heute, aber auf die Dauer sind dauernde 80-Stunden-Wochen nichts für ein rundum erfülltes Leben. Seit nunmehr acht Jahren spielen die Ulmer Basketballer ohne permanente Anwesenheit unseres frischgebackenen Ehrenpropheten - und Sven Grewis hat wieder Zeit für das, was direkt vor seiner Haustüre liegt. Wenn Familie, Arbeit und Kirchengemeinde es zulassen, kümmert er sich um einige Online- und Pressegeschichten beim SC Geislingen. Letzte Saison, als der SCG eine Klasse höher spielte, stand er noch regelmäßiger am Spielfeldrand, um mit dem langen Teleobjektiv die Szenen festzuhalten. Mittlerweise spielt Geislingen in der Bezirksliga, wo der sture Spielleiter darauf besteht, dass Geislingen statt dem gewohnten Samstag jetzt plötzlich sonntags seine Heimspiele austragen muss. Also ausgerechnet der Wochentag, der unserem Ehrenpropheten überhaupt nicht in die Familienplanung passt. Egal. Die Siegerehrung war für uns beide ein willkommener Grund, um im historischen Stadion im Eybachtal am Spielfeldrand aufzulaufen. Gerade am Sonntag.

Zugegeben, der Vorteil war ganz auf meiner Seite. Fachkundiger kann man bei einem solchen Spiel nicht begleitet werden als von Sven Grevis. Der SC Geislingen trat im Lokalderby gegen Donzdorf an, aber in der ersten Halbzeit war überhaupt nicht zu erkennen, wer überlegener Tabellenführer ist (SC Geislingen) und wer im Mittelfeld der Bezirksliga vor sich hinstolpert (1.FC Donzdorf). Bis tief in die zweite Hälfte hinein war Donzdorf eindeutig überlegen. Die Stolperer trugen ausnahmslos Geislinger Trikots. Als dann Stürmer Marcel Mädel eingewechselt wurde, erwähnte unser Ehren-Prophet beiläufig, dass jetzt erst der eigentliche Torjäger auf den Platz komme. Sonderlich beeindruckt war ich nicht. Was soll ein Torjäger bewirken, wenn er vorne keine Bälle bekommt? Jedoch: Bei Ehren-Propheten sollte man auch an beiläufigen Bemerkungen nicht zweifeln. Marcel Mädel holte sich einen Assist, machte das zweite Tor selbst und bescherte dem SC Geislingen einen ziemlich glücklichen 2:0-Heimsieg. Ich erkundigte mich beim Co-Trainer, warum der Stürmer nicht von Anfang an auf dem Platz stand. "Bauchgefühl vom Chef-Trainer", sagt er - und wir waren uns einig, dass im Grunde alles bestens lief. 2:0 so kurz vor der Winterpause. Im gesamten Eybachtal war kein Geislinger zu finden, der einen Fehler erkennen konnte.

Tröstlich für die Herren aus Donzdorf: Es soll schon Europapokalsieger gegeben haben, die mit dem selben Ergebnis in Geislingen eingegangen sind. Einziger Unterschied: Als der HSV damals in Geislingen verlor, waren sie eindeutig die schlechtere Mannschaft.

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