"Fußball-Mafia DFB!"

von Bernhard Ubbenhorst -

DFB? Mafia? Echt jetzt? Nein, nein, es gibt da nur gewisse Parallelen. Wir klären auf, mit Video-Beweis und allem drum und dran... 

In jeder anständigen Mafia gilt die Omertà. Sie verbietet es Mitgliedern der Familie, interne Angelegenheiten nach außen zu kommunizieren. Diese Abschottung gilt auch in die andere Richtung, also nach innen. Alle Kommunikationswege in der Familie folgen einer strengen Hierarchie und zwar von oben nach unten. Geht das mal andersrum, ist der Pate sauer. Klar, dass es dem "DFB-Paten" Don Reinhard Grindel so gar nicht gefallen hat, als irgendwelche Schiedsrichter-Funktionäre letzte Woche mal kurzerhand und eigenmächtig die Regeln in Sachen Video-Beweis geändert und an die Bundesliga-Vereine kommuniziert haben. Also dann - mit dem Paten, ist nicht gut beraten - einmal Rolle rückwärts und das Ganze mit Kommunikationspannen und Missverständnissen begründet wieder aus der Welt schaffen. Der DFB ist natürlich keine Mafia. Bei der echten Mafia wären da Köpfe gerollt. Wer dem Syndikat schadet, der wird aussortiert.

Man wollte mit dieser Regeländerung aus dem Video-Assistenten so eine Art Oberschiedsrichter machen, der dem Kollegen auf dem Platz zu sagen hat, was er tun und lassen soll. Lutz Michael Fröhlich, als "Vorsitzender der Schiedsrichterkommission Elite" und Hellmut Krug als "Vorgesetzter der Video-Assistenten" hatten diese Änderung in einem Brief an die Vereine am 25. Oktober mitgeteilt, und, dass diese bereits seit dem 5. Spieltag gelte. Das erklärte dann natürlich auch die danach immer häufiger auftretenden Szenen, bei denen der Video-Beweis zum Einsatz kam. Da saßen also in Köln ein paar ehrgeizige Schiedsrichter rum, die es zur eigenen Karriere-Förderung dankend ausnutzten, ihren Kollegen auf dem Platz bei jeder Gelegenheit mitteilen zu können, was für blinde Würstchen sie doch sind. Gibt für die Blinden ja Minus-Punkte bei der internen Schiri-Bewertung.

Einer dieser Fälle trug sich vor zwei Wochen in Stuttgart zu, als der Schiedsrichter Tobias Stieler nach 12 Minuten ein Handspiel des Freiburgers Caglar Söyüncü übersah und das Spiel weiterlaufen ließ. Am Schiri-Bashing-Buzzer in Köln saß damals ein gewisser Herr Felix Zwayer, der Stieler ganze 50 Sekunden später nötigte, das Spiel zu unterbrechen und Söyüncü mit der roten Karte des Feldes zu verweisen. Wegen der Verhinderung einer klaren Torchance, durch die Zurhilfenahme seiner Hand. Eine klare Fehlentscheidung auf Geheiß des Video-Assistenten. Selbst die VfB-Fans vermochten darin, 25 Meter vor dem Tor, keine Verhinderung einer klaren Torchance erkennen. Gelbe Karte, Freistoß, Mund abputzen und weiter geht's. Die ewige Zeitunterbrechung von drei bis vier Minuten bis zur Klärung hat sie mehr aufgeregt. Und dazu, bis Zwayer eingriff, ging das Spiel noch ganze 50 Sekunden hin und her. Eine kuriose Situation. Man stelle sich vor, Freiburg hätte in der Zeit ein Tor geschossen. Hätte das, regulär vor der Unterbrechung erzielt, dann trotzdem gezählt? Fragen über Fragen. Die Gegner des Video-Beweises sind in der Cannstatter Kurve in Stuttgart in der Mehrheit und die hatten gleich die Antwort auf alle Fragen. Viele skandierten spontan: "Fußball-Mafia DFB!".

Geht's auch ne Nummer kleiner, werden sich da viele fragen. Müssen sie aber nicht. Denn mit der Mafia hat der an diesem Fall beteiligte Herr Zwayer doch durchaus Erfahrung und zwar mit der Wett-Mafia. Da war doch was, es ist etwa 13 Jahre her: Robert Hoyzer, Dominik Marks, Café King usw. Er hatte zusammen mit seinem heutigen Chef Lutz-Michael Fröhlich und einem gewissen Manuel Gräfe die Bestechlichkeitsvorwürfe gegen seine Kollegen Hoyzer und Marks öffentlich gemacht. Peinlich! Peinlich! Ein klarer Verstoß gegen die Omertà, das werden sich nicht nur die beim DFB sondern auch die bei der Wett-Mafia gedacht haben. Der "Kron-Zeuge" Zwayer wurde in der Folge auch als Verdächtiger gehandelt. Bei dem durch die Mafia manipulierten Spiel zwischen dem Karlsruher SC und MSV Duisburg im Dezember 2004, das der vor dem Sportgericht angeklagte Dominik Marks geleitet hatte, war Felix Zwayer nämlich dabei.

Die FAZ beschrieb den Sachverhalt damals wie folgt: Zwayer war in diesem Spiel neben Markus Häcker Assistent des inhaftierten Referees Dominik Marks. Diesem wird den Aussagen von Hoyzer zufolge zur Last gelegt, 30.000 Euro von der kroatischen Wettmafia für die Partie bekommen zu haben. Zudem, so steht es im Haftbefehl gegen Marks, soll dieser Zwayer bei einem Gespräch in einem Karlsruher Restaurant vor dem Spiel in die geplante Manipulation eingeweiht und sich bemüht haben, ihn dafür zu werben. Zwayer habe aber gesagt, in der 2. Liga erst vier, fünf Spiele gemacht zu haben und Fuß fassen zu wollen, so Hoyzer in seinen Vernehmungsprotokollen. ... Nun ist Schiedsrichter-Assistent Felix Zwayer (Berlin) selbst ins Zwielicht geraten und wird verdächtigt, an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. So ermittelt der Kontrollausschuß des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des dringenden Verdachts eines unsportlichen Verhaltens im Zusammenhang mit dem Wettskandal. ... „Ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch in Richtung Zwayer Gelder geflossen sind“, sagte der Kontrollausschußvorsitzende Horst Hilpert...

Und nun steht neben Zwayer schon wieder einer von denen, die diese Wett-Mafia verpfiffen haben im Rampenlicht: Manuel Gräfe, die schwatzhafte Elster. Immer Probleme mit der Omertà. Manuel Gräfe hatte vor wenigen Wochen zusammen mit seinem Kollegen Felix Brych den Führungsstil der Schiri-Bosse Herbert Fandel und Hellmut Krug öffentlich angeprangert. Die Obmänner förderten die Schiedsrichter nicht nach Qualitätskriterien sondern sie betrieben nur so etwas wie eine Günstlingswirtschaft. Ui, ui, ui, so was hört man beim DFB gar nicht gern. Hatte man doch erst vor einigen Jahren den Skandal um den Obmann Manfred Amerell und seinen von ihm sexuell bedrängten Schützling Michael Kempter nach jahrelanger Schlammschlacht hinter sich gebracht. Gegen Manuel Gräfe und Felix Brych wurde kurzerhand vom DFB ein Maulkorb in dieser Sache verhängt und blitzschnell eine Ethik-Kommission unter der Führung des ehemaligen Politikers Klaus Kinkel eingesetzt, die das Ganze gründlich zu prüfen hat. Letzteres heißt beim DFB in der Regel solange, bis genügend Gras darüber gewachsen ist.

Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt vor drei Tagen auch noch die Bild-Zeitung mit einer neuen Räuberpistole um die Ecke. Hellmut Krug habe als Chef der Video-Assistenten diese angewiesen, bei Spielen des FC Schalke 04, Krugs Heimatverein, den Video-Beweis niemals zu Ungunsten der Schalker auszulegen. Skandalös! Wer konnte denn da schon wieder sein Maul nicht halten? Ein Fall für den Kontrollausschuss, eine Ethik-Kommission oder sonst etwas in dieser Richtung. Diese Besonderheit, mit einer eigenen Gerichtsbarkeit und Institutionen selbst intern, mithilfe der Entscheidungen von einer Art Schiedsgericht aufräumen zu dürfen, ist übrigens eine weitere Parallele zur Mafia. Auch dort wird alles intern geregelt, nur mit weniger Worten und mit Stand- statt Schiedsgerichten. Wahlweise auch mit Schuhen aus Beton. Bei der Mafia ist es bereits verpönt einen Polizisten, Richter oder Staatsanwalt nur im Freundeskreis zu haben. Die staatliche Gerichtsbarkeit ist der Feind des Syndikats. Bei Sportverbänden gilt das ganz ähnlich. Auch manche Sport-Funktionäre sollten in einem Gespräch mit befreundeten Staatsanwälten besser genau aufpassen, was sie sagen.

Die eigene Rechtsprechung der Sportverbände wird von der staatlichen Gerichtsbarkeit nämlich nur nach ganz eng gefassten Kriterien toleriert. Wie es schon der Fall Bosman gezeigt hat und einige andere Urteile ziviler Gerichte, die die Sportsgerichtsbarkeit ausgehebelt haben, etwa in der Causa Claudia Pechstein oder bei diversen mithilfe der Schiedsgerichtsklausel unter den Teppich gekehrten Dopingskandalen im Radsport. Wenn Sportler vor Zivilgerichten auf Entschädigung klagen, um das ihnen von den Sportverbänden zugefügte Unrecht zu entschädigen, haben sie allerbeste Chancen. Immer wenn es um Transparenz und Eindeutigkeit von Regeln sowie die Chancengleichheit und einen fairen Wettbewerb geht, verstehen zivile Richter kein Pardon. Zumal wenn es dabei im Sport um sehr viel Geld geht.

Der Platzverweis gegen den Freiburger Sönyüncu sowie die gelb-rote Karte gegen den Stuttgarter Burnic am letzten Wochenende in Hamburg stehen wie einige andere zweifelhafte Entscheidungen durch den Video-Beweis nach dem 5. Spieltag im krassen Gegensatz zur Transparenz und Eindeutigkeit von Regeln und einem fairen Wettbewerb. Eine Klage auf Schadensersatz durch die benachteiligten Vereine hätten jedenfalls theoretisch vor einem Zivilgericht allerbeste Chancen. Zumindest auf europäischer Ebene. Sollten die Freiburger oder Stuttgarter das versuchen, dann brauchen sie einen sehr langen Atem. Und einen guten, unvoreingenommenen Juristen. Die Sportverbände, ob DFB, UEFA, FIFA oder OSB, alle unterhalten allerbeste Beziehungen zu denen, die im öffentlichen Leben oder in der Politik etwas zu sagen haben. Äh, wie war das nochmal mit der Mafia?

Ach ja! Die Mafia, das ist eine straff organisierte, lokal, national oder international operierende Vereinigung, geführt von einer hierarchisch strukturierten, bestens vernetzten Clique, die unter dem Deckmantel seriöser Geschäfte und durch die Umgehung geltender Gesetze und Regeln skrupellos und korrumpierend nur danach trachtet, den eigenen Reichtum zum Schaden der Allgemeinheit zu mehren. Kommt uns doch irgendwie bekannt vor!

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