Mal ehrlich: Ist das schön?


Höhepunkte deutscher Trophäentradition.


Pokale sind keine Zier. Sie fallen zwar auf. Aber nicht unbedingt durch besondere Eleganz. Die Liga der Propheten macht da eine wohltuend turmalinlose Ausnahme. 

Grundkonservativ, bisweilen rückständig präsentiert sich der Fußball im Trophäensegment. Als besonders abscheulich gilt vielen die kicker Torjägerkanone. Das mittelalterliche Kriegsgerät steht auf einem platten Holzsockel und verströmt das Flair eines Urlaubsmitbringsels aus dem Südkosovo. Ebenso zweifelhaft erscheinen die offiziellen Pokale deutschen Fußballschaffens. Der DFB-Pokal überzeugt zwar mit einem Fassungsvermögen von 8 Litern, doch vor allem der üppige Besatz - 12 Turmaline, 12 Bergkristalle und 18 Nephriten – beweist zeitlose Geschmacklosigkeit. Statt an ideelle Werte erinnert er den Betrachter an eitrige Körperschwellungen. Sogar spontane Verschönerungs- maßnahmen, wie im Jahr 2002 als Rudi Assauer den Pokal vom Bus warf, überstand das scheußliche Stück ohne ästhetischen Zugewinn.

Schaler Beigeschmack.

Höhepunkt jeglicher Geschmacksverfehlung ist seit jeher die Meisterschale. Die mit dem Attribut „Salatschüssel“ noch umschmeichelte Untertasse ist im Grunde ein bis zur Unkenntlichkeit explodiertes Blechteller mit wulstartigem Edelsteinbesatz. Dabei sehen die fünf Turmaline des mittleren Rings nicht nur aus wie tote Ochsenaugen, sie erschweren zusätzlich auch eine würdige Gravur. So musste die Rechtschreibung mehrfach mit Füssen getreten werden, vor allem weil die Meisterschaften des buchstabenreichen Vereines vom Niederrhein zur Unzeit geschahen. Beim Triumph 1975 wurde die Gravur besonders unschön getrennt: BORUSSIA VFL 1900 E.V M (Trennung) ÖNCHENGLADBACH". Ein Jahr später machte man es mit  BORUSSIA VFL 1900 E.V MÖNC (Trennung) HENGLADBACH" nicht viel besser. 1977 folgte dann eine besondere Eselei: BORUSS (Trennung) IA VFL 1900 E.V MÖNCHENGLA (Trennung) DBACH". Auch die Eintracht aus Braunschweig verspürt einen Trennungsschmerz. Sie wurde als "BRA - UNSCHWEIGER TSV EINTRACHT 1895 verewigt.

Alle Tassen in keinen Schrank.

Vor dem Hintergrund dieser Trophäentradition erscheinen die Pokale der Propheten-Liga auf den ersten Blick recht unscheinbar. Die Tassen bedienen sich einer angenehm schlichten Formensprache. Überschaubares Fassungsvermögen und Spülmaschinenbeständigkeit prädestinieren die Trophäen für den täglichen Gebrauch. Schließlich schaut man häufiger auf den eigenen Schreibtisch als in den persönlichen Trophäenschrank. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch auf den kostbaren Tassen eine besondere Merkwürdigkeit. Der Legionärshelm in der Mitte des Propheten-Logos lässt Interpretationsspielraum. Hat er etwas mit Fußball zu tun? Oder waren die historischen Propheten dazu gezwungen, besondere Personenschutzmaßnahmen zu ergreifen? All diese Fragen bleiben vorläufig offen. Schließlich überwiegen die Vorteile. Haben Sie schon einmal versucht aus handelsüblichen Sportauszeichnungen zu trinken? Meist misslingt der Versuch, nicht selten sind die Auszeichnungen undicht. Das wird bei den Prophetentrophäen nicht passieren. Sie sind zuverlässig geschlossen und dank ihrer Keramik-Sonderausführung können sich die Sieger sicher sein, dass kein störendes Gießkannenblech-Aroma den Trink-Genuss beeinträchtigt. 

Die Trophäen im Einzelnen

Erster Prophet: der unbestrittene Tabellenführer der Prophetenliga, Punktbester der registrierten Vorhersehen.

Vize-Prophet: von wegen Vizekusen. Der Vize der Prophetenliga ist eine begehrte Platzierung. Belohnt mit einem Pokal, der die Spielzeiten weit überdauert.

Ehren-Prophet: Mit dieser Auszeichnung wird derjenige Prophet geehrt, der die meisten Volltreffer aufzuweisen hat. Als Volltreffer werden die Prophezeiungen bezeichnet, die genau eintreffen. Also Null Abweichung zwischen prophetischer Vorhersage und tatsächlicher Bundesliga-Platzierung eines Vereines.

Roter Prophet: Ob Erster oder Letzter: die Trophäe bleibt sich treu. Wer die rote Laterne der Propheten-Liga zum Leuchten bringt, erhält für seine strahlende Leistung einen angemessenen Preis: den Pokal des roten Propheten.

Erster Zweitliga-Prophet: Die jüngste Auszeichung in der Runde. Zur Saison 16/17 eingeführt, der Saison als sich fast mehr Traditionsvereine in der Zweiten Liga als in der Bundesliga befanden.