Da muss er ne Karte geben

Illustrationen von Fußballspielern sind eine Spezialität aus der Schweiz. Dort sind die gezeichneten Kleber der Tschutti-Heftli weitaus begehrter als die üblichen Paninibilder in Deutschland. Jetzt hat Marcel Michel eine neue Idee an den Start gebracht: das Legendenquarett. Für uns Spielkinder etwas Wunderbares. Mit dabei: Der Illustrator und Prophet Jan Zablonier. Er hat sich um den Ata Lameck, Dariuz Wosz, Ente Lippens und Helmut Rahn gekümmert. Initiiert hat die Sache Marcel Michel aus Luzern. Wir haben mit ihm gesprochen.

Marcel, Deine Legendenquartette gibt es für Radsport, Boxen und Eishockey. Bei den Legenden des deutschen Vereinsfußballs habt ihr gleich zwei Quartette aufgelegt. Gibt’s so viele legendäre Fußballspieler?

Absolut! Wir mussten uns immer noch extrem einschränken. Zuerst stand ja die Auswahl der Vereine. Da mussten leider einige Vereine bereits über die Klinge springen, die doch eine grosse Tradition haben, zum Beispiel Hannover 96, Hansa oder aber auch Arminia Bielefeld. Eine Doppelausgabe stand daher von Anfang an fest. Um möglichst viele Vereine abzudecken, haben wir pro Spiel je eine Serie zeichnen lassen, die zwei Vereine mit zwei Spielern zeigt und eine mit vier Vereinen à nur einem Spiele. So konnten wir zum Beispiel Haller für Augsburg oder Dietz für Duisburg ins Quartett quetschen.

Gibt einen Unterschied in der Illustrierbarkeit von Fußballern, Radfahrern und Boxern? Wer eignet sich besser?

Diese Frage könnten Dir die IllustratorInnen selbstverständlich besser beantworten. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die zerknautschten Visagen der Boxer oder die ausgemergelten der Radfahrer besser geeignet sind - im Ergebnis sieht man aber keine qualitativen Unterschiede. Auch die Fussballer wurden hervorragend getroffen. 

Heiß diskutiert: Die Auswahl der Legenden. Wer hat die Personen ausgesucht? Du, die IllustratorInnen oder habt ihr eine Umfrage gemacht?

Keine Umfrage. Und auch die IllustratorInnen hatten keinen Einfluss. Die meisten haben mit Sport im allgemeinen und Fussball im speziellen eh nicht viel am Hut und sind ganz unbefangen an die Aufgabe herangegangen. Ausgewählt habe ich zuerst alleine, ein befreundeter Aficionado hat seinen Senf dazu gegeben. Im Blick hatten wir dabei die sogenannten Jahrhundertmannschaften, welche von vielen Vereinen durch Publikumsbefragung zustande kamen. Offensichtliche Kriterien wie Vereinstreue, Erfolge oder besondere Verdienste waren entscheidend für die Auswahl. Ein Anliegen war es, die wichtigen Epochen mit je einem Spieler abzudecken. Bei gewissen Vereinen konnten wir aber eine starke Gewichtung auf seine erfolgreichste Zeit nicht verhindern. So sind zum Beispiel Gladbach und Köln mit gleich drei Spielern aus den gloriosen 70er Jahren vertreten.

Gabs Kriterien, die nicht mit dem Fußball zusammenhängen, zum Beispiel wenn sich ein Spieler besonders gut eignet als Karikatur, zum Beispiel Walter Frosch beim FC St. Pauli?

Eigentlich nicht. Frosch gilt ja nicht nur wegen seines Lebensstils als Pauli-Legende. Trotzdem muss ich eingestehen, dass persönliche Vorlieben sicher eine Rolle bei der Auswahl spielten. Mir ist nämlich erst nachträglich aufgefallen, dass die 90er WM-Mannschaft insgesamt schlecht vertreten ist im Spiel. 

Pro Quartett sind 10 IllustratorInnen beteiligt. Alle aus der Schweiz? 

Fast alle kommen aus der Schweiz. Zwei Hamburger Illustratoren, die bereits einmal für das Legendenquartett gearbeitet hatten, durften aber den HSV und St. Pauli illustrieren - der Nähe zum Gegenstand geschuldet. Und Patrick Widmer, ein in München wohnhafter Schweizer Illustrator, durfte die Bayernköpfe zeichnen.

Wie hast du die Illustratoren ausgesucht? Sind es samt und sonders Fußballfans wie Jan Zablonier, der feine Winterthurer Illustrator?

Ich frage an, wenn mir die Arbeit gefällt, die ja meistens sehr gut dokumentiert ist im Netz. Luzern ist super geeignet, viele junge Talente zu entdecken. Die Hochschule Luzern geniesst einen ausgezeichneten Ruf, was die Ausbildung für IllustratorInnen angeht. Viele IllustratorInnen, die bei diesem Projekt mitgearbeitet haben, haben hier ihre Ausbildung gemacht. Von einigen weiß ich, dass sie sich im Fussball auskennen, zum Beispiel David Diehl.

Das Legendenquartett für Schweizer Fußballer ist wohl der Ursprung Deiner Serie gewesen? Ist es bereits vergriffen?

Ja, das war 2014. Inzwischen ist auch die 2. Auflage vergriffen.

Es gibt Fußballfans, die würden glatt behaupten, dass man keine Legende werden kann, wenn man bei Bayer Leverkusen spielt. Wie würdest Du argumentieren?

Hmm, man muss sich einfach in die Lage eines Fans des Pillenclubs versetzen, gewissermassen einfühlen... dann fällt es einem sehr leicht, vier Spieler zu finden, bei deren Namen eine romantische Verklärung einsetzt beziehungsweise Tränen der Rührung fliessen (haha).

Apropos Leverkusen: der lange Hals von Ballack. Hat der zu viele Pillen geschluckt?

Da musst Du Conradin Wahl, den Illustrator fragen. Er hat die Visagen zu kleinen, grossartigen Büsten verarbeitet und sie nachträglich auf Kunstrasen abfotografiert. 

Bei den Dresdner Spielern brauch ich bitte Nachhilfe. Die Frisur erkennt man nur undeutlich. Gesichtszüge … naja. Was das Charakteristikum, das der Künstler herausarbeiten wollte?

Ja, da hat Dominik Rüegg den Rahmen etwas gesprengt. Ich lasse den IllustratorInnen grossen stilistischen Spielraum, die Erkennbarkeit sollte aber gewahrt bleiben. Dominik hat hier seinen Stil durchgezogen, den er für seine grossformatigen Wandbilder verwendet, und die Erkennbarkeit ist auf der Strecke geblieben... Mir gefällt's trotzdem, aber mehr als einen solchen Stil hätte das Quartett vielleicht nicht vertragen. Ich sage immer: Wenn wir sagen, dass es Dixie Dörner ist, dann ist es Dixie Dörner!

Geht die Serie weiter? Was kommt als nächstes?

Nächstes Jahr kommt noch ein Spiel zum Thema "Schwingen", dem Nationalsport der ruralen Schweiz.

Bei einem Luzerner kann ich mir die Frage nicht verkneifen: "Das Sieger-Gen bringt man nicht mehr aus mir raus.“ hat Holger Badstuber vor der Saison gesagt. Luzern ist Tabellenletzter. Was ist passiert?

Naja, hat Badstuber das Sieger-Gen nicht bereits beim VfB verloren? Ausserdem bin ich als Exil-Berner emotional fast ausschliesslich gelbschwarz orientiert und verfolge das Geschehen beim FC Luzern eher distanziert. Die Erwartungen an Gentner und Badstuber waren wohl etwas zu hoch gegriffen in der Innerschweiz. 

Vielen Dank, Marcel Michel.

Anmerkung der Propheten: Zwei Tage nach dem Interview wurde der Vertrag von Holger Badstuber aufgelöst.

Her mit dem Legendenquartett!
Das geht am besten direkt bei Marcel Michel unter www.legendenquartett.ch

Den Propheten und Illustrator Jan Zablonier besuchen:
Das geht in der Bierkurve des FC Winterthur oder unter www.zablonier.com