Endlich weiblich: der Fußball

Das Frauen-Team hat geliefert. Und wie! Bei der Europameisterschaft haben sie den Männern den Rang abgelaufen. Nicht in allen Dimensionen, aber in denen, die gesellschaftlich wichtig sind. Eine Zwischenbilanz. 

„Der Frauenfußball hat sich entwickelt. Das sieht ja überhaupt nicht mehr aus wie Frauenfußball.“ Die Feststellung stammt vom Kabarettisten Rolf Miller. Recht hat er. Den jüngsten Entwicklungsschritt durften wir bei der Europameisterschaft feiern. Spielerisch war das erste Sahne – man muss kein Kabarettist sein, um das zu erkennen. Auch Quoten top. Für Deutschland meldet die Sportschau 18 Mio. Fernsehzuschauer beim Finale gegen England. Zum Vergleich: Beim Handball EM-Endspiel der Männer zählte man ein Jahr zuvor nur 13 Mio. Das Spiel der UEFA Nations League der Männer (1:1. gegen Italien im Juni) schauten nur 6,7 Mio. Diese Marke übertreffen die Frauen mit Leichtigkeit. Leistung top, Quoten top. Die Frauen haben geliefert. Ihre Niederlage im Endspiel fällt kaum ins Gewicht. Zumal wenn man es direkt mit den Männern vergleicht. Die Herren wären schon froh, wenn sie so weit kommen würden.

Ex die Mannschaft

Apropos direkter Vergleich. Der Sturm der Euphorie, der die ehemalige „Mannschaft“ im November in die Wüste begleitet, hält sich in überschaubaren Grenzen. Vor allem im Milieu der engagierten Fußballfans fällt "Boykott Katar" auf fruchtbaren Boden. Die Einschaltquoten bei den Männern werden zwar höher erwartet. Trotzdem darf man ohne großen Pessimismus feststellen: Das Ansehen der herrlichen Nationalmannschaft wälzt sich am Boden. Langzeitverletzung. Im Business Sprech: Die Cash Cow des DFB lahmt. Die Kritik ist nicht zu überhören. Neulich hat es als erstes Opfer den Slogan „Die Mannschaft“ erwischt. Weitere Streichungen werden folgen. Würde man die Nationalmannschaft führen wie ein Unternehmen, müsste man schleunigst die Budgets zugunsten des zukunftsträchtigeren Produktes umschichten. Zumal es sich bei den Frauen um ein sympathisches Team handelt. Eines, das die aktuellen Themen Chancengleichheit, Diversität und soziale Verantwortung glaubwürdig besetzt. Doch der Verband ist ein gemeinnütziger Verband und kein Unternehmen. Er ruht in sich selbst.

Frau Raml aus Bayern

Würde der Verband seine Gemeinnützigkeit ernst nehmen, wäre der Frauenfußball längst weiter. Dann würden die Damen Prämien in der Höhe der Herren erhalten . Bei sieben Teams der Europameisterschaft funktioniert das bereits. Equal Pay bei Turiner-Prämien ist in vielen Ländern Realität. Unter anderem in England, Island, Finnland, Norwegen, Spanien, Irland und in den Niederlanden. Und in Deutschland? Laut Silke Raml ist der DFB „bemüht, sich dem Thema anzunehmen“. Frau Raml ist nicht nur Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball des DFB, sie vertritt seit kurzem den Verband in der UEFA-Kommission. „Sowas kann man nicht von heute auf morgen machen,“ sagt Raml in aller bayrischen Bedächtigkeit. Vielleicht, weil sie in Erinnerung hat, dass der DFB erst neulich, vor 50 Jahren den Frauenfußball überhaupt eingeführt hatte. Und die anderen Länder, warum geht es dort? „Man darf nicht Äpfel und Birnen vergleichen“, sagt Frau Raml in einem Tonfall der dem bayrischen Ministerpräsidenten ähnlich ist. Wer zum Fremdschämen bereit ist, dem sei an dieser Stelle das Interview empfohlen, das Frau Raml im Juni dem deutschlandfunk gegeben hatte.

Für alle, die den O-Ton aus guten Gründen scheuen, kurz das Wichtigste: Die Frauen, so Raml, müssten "zuerst liefern", erst dann könne man sie besser und chancengleicher vermarkten. Schon zwei Monate später darf man feststellen: Check. Lieferung angekommen. Die gute Frau Raml, so muss man wohl annehmen, befindet sich noch in Schockstarre. Im großen, weiten Netz sind jedenfalls keine weiteren Äußerungen von ihr zu finden.

Traditionell langsam

Der ach so dynamische Verband ist allerdings nur einer der vielen Bremsklötze, die aus dem Weg geräumt gehören. Auch viele große Vereine haben ihre Rückstände aufzuholen. Leider mehrheitlich die Traditionsklubs. Unter den ersten Sieben der Frauen-Bundesliga sind zwar sechs der Herren-Bundesliga. Aber drei von ihnen (VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim) werden nur von krassen Modernisten zu den Deutschlands Traditionsvereinen gezählt. So sehr man das Engagement der Werks- und Sponsorenklubs aus ganzem Herzen loben mag: Hoffenheim gegen Wolfsburg ist schon bei den Männern kein Kracher. Daher fällt der Rückstand der Traditionsklubs um so stärker ins Gewicht. Trotz aller Anstrengungen und der aktuellen Fusionen, die gerade vollzogen werden.

Man sollte in diesem Zusammenhang das geneigte Publikum nicht unerwähnt lassen. Natürlich sollen alle mit ihrer Freizeit anfangen, was sie wollen. Trotzdem sei eine Bemerkung gestattet: Man hat schon mehrfach erlebt, dass sich Fans von Bundesligateams bei Matches anderer Teams des Herzensvereins verabredet hatten. Zu mehreren Tausenden wurde sie das Spiel gemeinschaftlich besucht. Manchmal wurde sogar mit Choreos gefeiert. Leider geschah das deutlich häufiger bei Zweitvertretungen oder Jugendteams der Männer. Seltener bei Frauenteams. Schade eigentlich.

Jetzt neu bei den Propheten

Doch bitte nicht falsch verstehen. Dies soll kein versteckter Aufruf zum verkrampften Besuch eines Frauenspiels sein. Die prophetische Pointe soll heute bitte eine andere sein. Für uns Propheten steht im Vordergrund: Erst mal an die eigene Nase fassen. Bleiben wir also bei unserer Kern-Kompetenz, dem gepflegten Prophezeien. Bitteschön: Ab dieser Saison bieten wir die Damen-Bundesliga an, um sie prophetisch zu begleiten. Leider nur eine 12-Liga – für den Vorhersage-Wettbewerb wären 18 Teams spannender. Aber es ist eben, wie es ist. Wir gehen damit um. Und unsere Prophetinnen und Propheten hoffentlich auch.  Darum lautet unser herzliche Bitte: Unterstützt uns, wir brauchen Euch. Vielleicht erleben wir es noch, dass wir in dieser Liga den Hamburger SV, Borussia Dortmund, Schalke 04 oder den VfB Stuttgart richtig einschätzen müssen. 

Hier kommt unser Angebot auf Höhe der Zeit:
Prophezeit die Frauen-Bundesliga. Jetzt.
(Link funzt nur für eingeloggte Prophetinnen und Propheten)

 

(Für Foto ein Shoutout an Braveheart on WikiCommons. Danke)